Im Jahr der Wende

Liebe ExilberlinerInnen,

alles hat sich für mich verändert, seit ich das letzte Mal hier schrieb. Mein Leben auf den Kopf gestellt und einmal ordentlich durchgeschleudert, so fühlt es sich an. Ich habe mich beruflich verändert und einen Schritt getan, der riskant war und einige auch vor den Kopf gestoßen hat: Ich habe gekündigt und für mich die Zeit der Qual des Referendariats beendet. Warum? Bis heute nagen Zweifel und Ängste an mir. Warum hast du das getan? Hättest du nicht einfach mehr tun sollen und auch tun können?

Um ehrlich zu sein, Nein! Bis heute habe ich mit den Folgen meiner Erkrankung zu kämpfen und habe mich nicht mehr in der Welt dazugehörig gefühlt. Ich wollte schon immer mit Kindern arbeiten und ihnen die Welt erklären, und ihnen helfen, ihre Stärken zu erkennen und ihre Schwächen zu akzeptieren. Doch weiter hat mich dabei das Referendariat nicht gebracht. Doch ich habe mit diesem Schritt der Kündigung einiges gewagt und auch verloren.

Zu allererst meinen Lebenstraum und alles was damit einherging. Mein Mann und ich hatten bis dahin sehr feste Pläne, was unsere weitere Zukunft anging und diese nun nicht nur für mich, sondern auch für ihn zu zerstören, ist ein Umstand, der mir bis heute am meisten wehtut. Unsere Wünsche nach einer eigenen Familie und einem stabilen Umfeld werden sich so bald wohl nicht erfüllen und das war wohl unser größter Traum.

Ich habe den Weg der Unsicherheit und wagen Vorausschau gewählt, ohne zu wissen, wie es für uns weitergeht. Das war riskant, kein Frage.

Aber ich möchte wissen, was die Welt außer der Schule noch für mich bereit hält. Wo kann ich mit meinen Fähigkeiten noch agieren, wo mich noch besser einbringen, ohne den Druck der Bewertung und Beurteilung, er einem in der Schule immer wieder entgegenkam? Den Das habe ich am Wenigsten gemocht, die Beurteilung der Kinder und die Rolle als Richter über das weitere Schicksal der Kinder. Hut ab vor denen, die diese Verantwortung tragen können. Ich möchte das nicht mehr.

Aber ich muss nun mit den Folgen leben und mich aufs neue auf die Suche nach einem Ziel und neuem Traum machen und dabei meinen Mann und das Schicksal bei der Hand nehmen.

Danke an all die Menschen die mich bei diesem Schritt begleitet, getröstet und mir zugesprochen haben.

Eines möchte ich jetzt auch wieder tun, was ich in dem Jahr sehr vernachlässigt habe: Schreiben. Ich habe es sehr vermisst und ihm nicht die Muße zukommen lassen, die es benötigt, mich mit neuen Geschichten und Erlebnissen auseinanderzusetzen. Doch nun hoffe ich, hier wieder mehr einfließen lassen zu können.

Auf bald,

Eure Henny

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