Alles neu hier?!

Hallo liebe ExilberlinerInnen,

Lange habe ich diesen Blog nicht mehr geschrieben, lange keine Worte mehr gefunden, die es zu sagen gilt. Doch habe ich jetzt eine neue Aufgabe und jemanden für den ich diesen Blog schreibe: für meinen Sohn.

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Ja ich bin mittlerweile seit 10 Wochen glückliche Mama eines kleinen Sohns und wenn ich meinen letzten Artikel ansehe ist das wie eine andere Welt für mich.

Ich habe Höhen und Tiefen erlebt, Abschiede von Träumen und geliebten Menschen und mich auf zu neuen Ufern gemacht.

Ich bin mittlerweile glücklich in der Eifel angekommen, weit ab von allem, was ich als Exilberlinerin jemals vorher wollte.

Ich habe gesagt, niemals schafft man mich in die Pampa.

Niemals werde ich wieder auf einem Dorf leben, schon gar nicht, wo abends um 23 Uhr die Straßenbeleuchtung abgeschaltet wird.

Niemals werde ich ein Haus besitzen, da ich mich nicht an einen Ort binden möchte.

Niemals werde ich einen Führerschein machen müssen.

Und schon gar nicht ziehe ich in eine so einsame Gegend wie die Eifel.

Doch die Welt dreht sich und ich mich mit. Mit neuen Zielen kamen eine neue Liebe und neue Wünsche, die mich schließlich hierhin führten.

Während ich hier schreibe, schneit es in meinem Rücken ununterbrochen weiter und mein Sohn schläft und zappelt fröhlich vor sich hin. Mein Liebster arbeitet in seiner Werkstatt und zimmert uns eine Küche. Und ich?

Ich schreibe wieder und lasse meinen Gedanken neuen Raum, stupse ab und zu die Wippe des Kleinen an und genieße die Stille.

Ab nun werde ich also mehr hier aus der Pampa schreiben und über das neue Dorfleben als ehemalige Großstadtpflanze berichten.

Bis bald,

eure Henny

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And the winner is…

Hamburg!

WHAT? Das dachten sich vermutlich etliche BerlinerInnen am Montag, als verkündet wurde, wer für Deutschland ins Rennen um die Olympia-Bewerbung 2024/2028 geht. Tatsächlich kam man dank geschickter Kampagne in der Stadt kaum mehr an dem Thema vorbei und trieb damit Exilanten fast zur Weißglut.

Warum bewirbt sich eine Stadt, die tagtäglich mit Milliarden Schulden und unfertigen Projekten zu kämpfen hat, um ein weiteres Projekt, was wieder ein riesiges Finanzloch in die Kassen schlägt? Es geht allein ums Image. Es ist nicht so, dass Berlin wirklich die Mittel hätte ein solches Projekt zu stemmen, wo doch schon wieder in den letzten Tagen die Hiobsbotschaft weiterer Schulden durch das Ich-kanns-nicht-mehr-hören-Projekt „Großflughafen Berlin-Brandenburg“ verkündet wurde. Die Stadt versinkt in Schulden, aber was will sie? Immer mehr, immer besser, immer weiter. Hauptsache Berlin boomt.

Daher war es nahezu bemerkenswert, dass die Berliner diesem Projekt erstmals in der Umfrage eine doch klare Absage erteilten und damit Hamburg den Vorzug gaben, die es „wohl ein bisschen mehr wollten“. Aber nun sich nach einer klaren Absage über diese zu beschweren, scheint mir auch nicht richtig. Da werden nun Vorwürfe laut, man hätte doch so gut präsentiert und doch nur eine Umfrage gemacht, die gar nicht das Stimmungsbild der Stadt wiedergab. Vielleicht war dies aber mal so. Vielleicht waren die BerlinerInnen einfach mal genervt von dem ewigen Bewerben und Krakelen um neue Projekte, Maßnahmen und Events in der Stadt.

Manchmal kommt es mir vor, als wäre die Stadt eine kleine verwöhnte Göre mit Zahnlücke, die in den vergangenen Jahren immer alles bekam und nur noch mehr wollte. Und obwohl alle Familienmitglieder schon genervt mit den Augen rollen, setzte es sich weiterhin immer trotzig durch und verlangte mehr, bis man ihm nun ein „Nein“ entgegenhält. Und was macht die Kleine? Sie heult und schmollt und stampft mit dem Fuß. Nützt aber nichts!

So wird sich Berlin wohl oder übel damit abgeben müssen, Hamburg bei der Bewerbung zuzuschauen und die Daumen zu drücken und sich einmal wieder seinen alten Bausteinen zuzuwenden, damit diese wenigstens einmal dann fertig werden. Wäre doch zur Abwechslung auch mal ganz schön, wenn man mal sagen könnte, wann das Projekt „Großflughafen“ wirklich fertig wird. Wenn Berlin aber weiterhin danach schreit, mehr zu wollen, können wir wahrscheinlich noch bis zum Sankt-Nimmerleinstag warten, bis dieses Projekt einmal fertig wird. Hauptsache, wir haben die größte Spielzeugkiste.

So, liebe BerlinerInnen, lehnt euch zurück und entspannt euch mal vom dauerhaft abgespannten Dasein und genießt, wie sich Hamburg mit der Bewerbung rumschlägt! 🙂

Berliner oder Pfannkuchen?

Mit dieser Frage, die irgendwie schon eine ganze Nation beschäftigt und spaltet, schlage ich mich seit über acht Jahren herum. Genauer gesagt seit meiner Zeit im Exil.

Ist es mir früher wie selbstverständlich vorgekommen, an der Theke der Bäckerei meines Vertrauens einen Pfannkuchen zu bestellen und ein süßes klebriges Zuckergebäck (in der westlichen Region Deutschlands auch als Teilchen bekannt) gefüllt mit Marmelade zu erhalten, werde ich hier in meinen neuen Wahlstädten im Westen Deutschlands angeschaut wie eine Kuh, wenns blitzt.

Ja, das, was wir BerlinerInnen zärtlich als „Pfannkuchen“ bezeichnen, wird in übrigen Regionen der westlichen Welt als „Berliner“ bezeichnet.

Wat? Wenn de nen Berliner bestellen willst, dann jeh jefälligst in ne Bar, oder schnapp dir ne Typen neben dir, wa?

So würde es vermutlich in der Wurzelheimat heißen, doch die Menschen im Westen Deutschlands dachten sich wohl: So schmierig und klebrig, wie die Hauptstadtbewohner sind, müssen wir dieses süße Gebäck nach ihnen benennen.

Dagegen verwenden sie das Wort „Pfannkuchen“ für die fluffigen Spezialitäten aus der Pfanne, die wir vielleicht als unwissende Personen als Crepés bezeichnen würden, oder in Berlin als Eierkuchen.

Der Streit, wie das leckere Zuckergebäck, das vor allem zu Silvester und Karneval seine Hochsaison feiert, existiert schon lange und wird vermutlich auch noch unsere Kinder beschäftigen. Um eine Eskalatation des Wortstreits zu verhindern, hat sich der Duden dafür entschieden, die Begriffe beider Seiten miteinander zu verknüpfen und den Berliner Pfannkuchen zu kreieren. Ob das allerdings beiden Parteien weiterhilft, sei einmal dahingestellt.

Für mich wird dieses Gebäck jedenfalls immer ein Pfannkuchen sein, doch bin ich mittlerweile dazu übergegangen, den neutralen Begriff des Teilchens zu verwenden, um weiteren Diskussionen vorzubeugen.