Gedicht zum Geburtstag

An meine Schwester

 

kleine Hände

kleine Füße

große Augen

großes Staunen

meine Zeit scheint still zu stehen

 

erste Küsse

erstes Lächeln

erstes Weinen

erstes Trösten

meine Welt scheint still zu stehen

 

sechs Uhr morgens

volle Windeln

strahlende Gesichter

gute Laune

meine Gedanken scheinen sich nur um dich zu drehen

 

Auf Tour

durch die Wälder

durch Sandkästen

und Spielhausgruppen

meine Zeit scheint still zu stehen

 

Der Kindergarten

die erste Liebe

dein Erik

deine Hilda

Die Erinnerung bleibst bestehen

 

Der erste Schultag

das Herz bis zum Hals

die Schultüte größer als du selbst

wie kann die Zeit nur so vergehen?

 

Ein großer Abschied

ein großer Schmerz

etliche Kilometer von dir getrennt

wann werden wir uns wiedersehen?

 

Und heute

bist du groß

so schnell

so schön

Wann bleibt die Zeit bloß wieder stehen?

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eine kleine Liebe?

Liebe ExilberlinerInnen,

so langsam verliebe ich mich in eine Stadt, in der ich nicht lebe, die aber in der letzten Woche immer mehr zu meinem Lebensmittelpunkt wird. Hier lebt einer meiner Lieblingsmenschen und dieser zeigt mir immer wieder, was für schöne Ecken diese Stadt hat. Heute war ich in einem wundervollen kleinen Kino, habe einen tollen Film gesehen (BFG – wer den noch nicht gesehen hat, unbedingt anschauen!!!) und mir wurden wieder viele neue schöne Ecken gezeigt, in denen immer was los ist. Irgendwie stelle ich fest, dass ich immer mehr für Köln schwärme.

Vor Jahren war es für mich noch nicht einmal vorstellbar. Als Berlinerin ist Köln der absolute Gegner, was Großstädte betrifft, da es ebenso wild und bunt ist und eine Menge zu bieten hat. Zudem ist es immer noch eine Stadt die ich in der Karnevalszeit meide so gut es geht. Mir ist das alles zu laut und zu bunt!

Aber dennoch hat die Stadt Charme und durch liebe Menschen wird die Stadt näher, als sie je sein könnte. Wer weiß, vielleicht, eines Tages…?

Doch auch mein heimeliges grünes Bonn liebe ich sehr. Und werde es so schnell nicht missen.

Auf einmal leer…

Was macht man, wenn man einen Menschen verloren hat, doch das Gefühl der Trauer nicht hochkommen mag?

Hat man versagt und ist ein emotionaler Holzklotz? Ist es wie ein Monster, das darauf lauert im ungünstigsten Moment herauszubrechen? Ich warte und warte…und doch passiert ist noch nichts. Ich habe sogar um Menschen geweint, die mir im Leben nur wehgetan haben. Doch nun regt sich wenig in mir? Es kommen Bilder hoch, Eigenschaften, die ich schätzte, andere die ich nicht so toll fand, aber weinen kann ich nicht. Vielleicht habe ich mich einfach zu sehr distanziert in den Jahren.

Für mich gehörte es immer dazu zu weinen, wenn man trauert. Doch ist es nun vielleicht anders? Vielleicht kann ich meine Trauer anders ausdrücken und verarbeiten. Merkwürdig ist es dennoch, so eine Veränderung zu bemerken und daruaf zu warten dass estwas geschieht. Ich habe nicht einmal mehr ein Foto, an das ich mich halten könnte. Vielleicht muss ich mich mit meinen schönen Erinnerungen trösten. Derer habe ich auf jeden Fall eine Menge.

Bis bald, Eure Henny

Back to the roots?

Hallo meine lieben ExilberlinerInnen,

gerade in den letzten Wochen habe ich mich häufig gefragt, ob es nicht besser wäre, wieder in die Heimat zurückzukehren. Hier habe ich nun einmal einige Gründe des für und wider aufgelistet!

Gründe, die dafür sprechen:

  • Familie (Unsere Familien sind immer noch hauptsächlich in Berlin und wir sind doch sehr verbunden mit ihnen und ich vermisse vor allem meinen Kleinen sehr)
  • Freunde (viele unserer Schulfreunde wohnen immer noch in Berlin und Umgebung,  mit denen wir immer noch viel kommunizieren und sie so oft wie möglich treffen, wenn wir in der Heimat sind)
  • Beruf (vor allem nun als Quereinsteigerin bietet Berlin gute Möglichkeiten in einen neuen Berufzweig einzusteigen, da hier immer noch der größte Teil an neuen Trends und Möglichkeiten offen steht. Zudem arbeitet mein Mann hier viel mit unterschiedlichen Bloggern und Spieleclubs zusammen und test dort seine neuen Produkte)

Gründe, die dagegen sprechen:

  • Familie (auch wenn wir unseren Familienmitgliedern immer noch sehr nahe stehen, genießen mein Mann und ich die Unabhängigkeit, die wir durch unseren Weggang gewonnen haben. Wir haben unseren Horizont erweitert und sind nicht auf dem Niveau des „Berlin geht über alles“ stecken geblieben. Das mögen wir sehr, auch wenn das einige nicht nachvollziehen können oder wollen ;-))
  • Freunde (Wir haben in den vergangenen Jahren viele neue liebe Menschen kennengelernt,die wir nicht missen möchten und deren Nähe wir sehr genießen. Wir wohnen jetzt für uns in sehr guter Nähe zu Ihnen und können unsere Liebsten auf diesen Weise gut erreichen, auch wenn wir gerne noch bei anderen Personen nahe wohnen würden. Aber man kann ja nicht alles haben, gell? Wenn es jetzt noch einen Inercrosse-Verein in Bonn geben würde, wäre alles wohl perfekt!)
  • Beruf (für meinen Mann bietet sich NRW einfach am besten an, seine Spiele zu vermarkten und im größten Gebiet testen zu können, um damit viele Leute zu erreichen. Und ich habe das Rheinland mit seiner kurzen Distanz zu anderen Städten zu schätzen gelernt, auch wenn ich im Herzen wohl ein Moselaner bleiben werde. Da wir so zentral wohnen, gibt es für uns immer Möglichkeiten zu arbeiten und so unseren Lebensraum gestalten zu können.

Ihr seht, dass sich die Argumente bislang die Waage halten und keines wirklich überwiegen kann. Solange sich keiner der Punkte in die eine oder andere Richtung stärker gewichtet, ist also diese Entscheidung wohl erstmal eine hypothetische, und wird aber weiterhin immer wieder abgewogen werden müssen.

Bis dahin bleiben wir aber Exilberliner mit Leib und Seele!

Bis bald, eure Henny

Das Rheinland feiert bald wieder…

und ich muss mitmachen!

Hallo meine Lieben,

ja, ich gebe es zu: Ich bin kein Freund von Karneval. Ist mal lustig zuzuschauen, aber das wars dann auch schon. Aber als Lehrerin mit einem Jecken als Schulleiter bin ich dazu verpflichtet. Und die Zeit ist gnadenlos und lässt die Tage bis dahin wie im Flug vergehen. Und ich dachte, ich könnte die Tage an Fastnacht nach Holland fliehen. Gerade an diesen Dingen merkt man meine Wurzelheimat Berlin. Hierhin konnte ich noch vor einiger Zeit flüchten, wenn es mich zu sehr grauste. Aber in den letzten Jahren hat auch hier das Fastnachtstreiben Einzug gehalten. Aus der Flucht wird wohl nix. Ich wünschte manchmal es gäbe einige Ecken hier, wo man sich als Karnevalsmuffel verstecken kann (so ein Metal-Zelt oder so) aber ich werde dem wohl nicht so schnell ausweichen können. Es fängt schon an, dass ich nicht weiß, ob es Helau oder Alaf heißt, oder was diese Wörter überhaupt bedeuten. Den Zug vom Fenster aus zu beobachten, war letztes Jahr ganz nett, aber vor den Menschenmassen und Überfröhlichen graut es mir. Vielleicht gehe ich als Schnecke oder Schildkröte, dann kann ich mich wenigstens zurückziehen?

So wird mir wohl nichts anderes übrigbleiben, als mich ins Kostüm zu schwingen, Oropax einzupacken und mich dem Schicksal als Lehrerin im Rheinland zu ergeben. 😉 Vielleicht hat ja der ein oder andere Tipps für mich, wie ich die Zeit voller Hyperfröhlichkeit ohne Volltrunkenheit überstehe?

Bis bald,

Eure Henny

Sommer, Sonne und Rhein

Hallo meine lieben ExilberlinerInnen,

Wer hat ebenso schöne Erinnerungen, wie man im Sommer an einem der vielen Badeseen in Berlin liegt, im Grunewald sitzt und mit den Freunden quatscht, oder auf mit den kleinen Geschwistern an einer der etlichen Pumpen in Berlin sein Haupt kühlt? All diese Erinnerungen kommen die Tage hier wieder hoch und ich vermisse das gewohnte Pflaster. Doch auch meine neue Wahlheimat hat wunderschöne Ecken an denen ich gerne sitze. Seien es die Rheinauen oder der kleine Park direkt um die Ecke oder der Rhein selbst.

Was ich lediglich vermisse, sind meine liebgewonnenen Bademöglichkeiten. Der Rhein ist zwar fast direkt vor der Nase, doch schwimmen darin traue ich mich nicht. Auch Freibäder gibt es hier zur Genüge, doch bin ich empfindlich was Chlor oder viele Menschen angeht. In solchen Augenblicken sehne ich mich zurück an die Badeseen in Berlin (für mich bevorzugt der Grunewald- oder Tegler See) oder nach meinem kleinen Freibad in Trier-Mertesdorf. Es war klein, aber fein, direkt um die Ecke und wurde von mir vor allem in der Examensphase heiß geliebt. Nun sitze ich hier in meiner schönen Wohnung in Bonn, schmelze in der Sonne und wünsche mir nichts sehnlicher als dieses kleine Schwimmod hier um die Ecke.

In nächster Zeit wird es wohl meine neue Aufgabe werden, die Schwimmbäder der Stadt etwas genauer unter die Lupe zu nehmen, damit ich in größster Hitze-Not weiß, wo ich am besten kühles Nass finde.

Was sind eure Lieblingsplätze?

Bis bald,

Eure Henny

Wenn die Sehnsucht überwiegt…

Hallo meine lieben ExilberlinerInnen,

wie ich euch schon schrieb, hatte mich in den letzten Tagen die Sehnsucht nach alten Unitagen eingeholt und ich habe mich auf den Weg ins schöne Trier gemacht. Doch war ich überaus erstaunt, wie viel die Erinnerungen einem das Bild der Stadt vielleicht anders wiedergeben, als sie tatsächlich vor einem liegt. Ich finde die Stadt nach wie vor wundervoll und bereise sie gerne weiter als Besucherin, doch beschlich mich doch ein Gefühl, nicht mehr ganz dorthin zu gehören. Es ist merkwürdig. Man fühlt sich noch nicht völlig angekommen in der neuen Stadt und trauert der alten hinterher, doch besucht man diese wieder, scheint sie auch nicht ganz das zu sein, was einem die Erinnerungen vorgeben. Aber zunächst hier einige Impressionen, damit ihr versteht, was ich meine:

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Und wo man hinsieht, scheint einem immer die Sehnsucht der anderen nach der großen Hauptstadt entgegenzuspringen, die scheinbar immer noch als eine Gütesiegel für Kreativität und Qualität steht (irgendwie amüsant, wenn man mal nur die ganzen gescheiterten Projekte Berlins betrachtet. Die Wuscheligkeit, die oben auf den zu finden ist, gehört übrigens zu einem handgemachten Kiwi mit Namen Sir Walter, den ich hier in meinen Reiseerlebnissen öfter abzubilden gedenke. Auch ihm hat Trier wohl durchaus gut gefallen. Insgesamt habe ich mich immer noch sehr wohl gefühlt, was auch an den Menschen lag, die ich in diesen Tagen um mich hatte. Es wird wohl auch bis auf weiteres immer wieder Sehnsuchtsanfälle nach Trier geben, denen ich das ein oder andere Mal nachkommen werde.

Bis bald,

Eure Henny

Bücherschränke

Hallo meine lieben ExilberlinerInnen,

ich weiß dass es lange her ist, dass ich hier etwas geschrieben habe, doch das Interesse ist nicht verloren gegangen. Heute möchte ich euch etwas vorstellen, was ihr kaum in der ach so gehypten Hauptstadt finden werdet: Bücherschränke. Ich selbst habe das System erst richtig in Bonn kennen und schätzen gelernt. In fast jedem Stadtteil stehen hier Bücherschränke und alle sind sie auf unterschiedlichste Weise bestückt. Und obwohl ich mehr als 20 Jahre in Berlin gelebt habe, habe ich so etwas auch nur vergleichbares nie dort gesehen. Ich bin begeistert von diesem System und kann es euch nur ans Herz legen, wenn ihr einmal nach Bonn kommen solltet. Ich habe mittlerweile vier davon kennengelernt und besuche sie regelmäßig.

Doch was ist überhaupt so ein Bücherschrank? Das Sytem lässt sich einfach erklären. Es handelt sich um einen öffentlichen Schrank, der mit Glastüren verschlossen ist und in den alle Personen ihre alten oder nicht mehr gewünschten (aber bitte eigene) Bücher hinbringen können und dort andere interessante Bücher entnehmen können. Hat man sie „ausgelesen“, bringt man die Bücher zurück, oder bringt, be besonderem Gefallen, andere Bücher wieder in den Schrank. Auf diese Weise füllen sich die Bücherschränke Woche für Woche mit neuen durchaus spannenden Büchern und sind allen Menschen zugänglich.

Ich bin fasziniert von der Vielzahl an Menschen, die hier in Bonn auf das Angebot zurückgreifen und die Schränke immer wieder in ihrer Vielfalt verändern. Für weitere und genaue Infos schaut einmal auf dieser Seite vorbei. Und für alle, die eventuell Vandalismus oder sonstiges mit den Schränken vermuten könnten, den sei gesagt, dass ich die Schränke bislang in einem stets ordentlichen Zustand vorgefunden habe, egal in welchem Viertel ich sie antraf.

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Ein solches Projekt hat für mich Bilderbuchcharakter und sollte anderen Städten als Vorbild dienen, nicht zuletzt der Hauptstadt, die einem alles und zu jeder Zeit zugänglich machen möchte. Einige Nachbarstädte wie Trier haben sich dem Projekt angeschlossen und an öffentlichen Stellen ebenfalls Bücherschränke eingerichtet, die allerdings nur zu Öffnungszeiten der Stellen den Menschen zur Verfügung stehen und damit weniger Möglichkeit zu einem freien Zugang ermöglichen.

Ich wünsche mir mehr solcher Projekte, die die Menschen gleichstellen und allen einen Zugang zur Literatur ermöglichen, egal wie groß und klein, arm oder reich sie sind.

Bis bald,

Eure Henny

Stadtliebe Trier

Hallo meine lieben Exilanten!

Wie lebt es sich eigentlich im Exil? Gut soweit, die Städte im Westen Deutschlands sind wunderschön und halten viele Überraschungen bereit. Heute möchte ich gerne ein wenig mehr über meine erste große Stadtliebe im Exil berichten, Trier.

Ich habe ja bereits beschrieben, dass ich aus vor allem aus Liebesgründen damals in die älteste Stadt Deutschlands zog, um mein Studium zu beginnen. Und dies offen gesagt mit einem ziemlich großen Hasenherzen. Wie jede kleine Berliner Wurzel fiel es auch mir schwer, sich ein Leben außerhalb der Grenzen Berlins vorstellen zu können, doch trieb mich mein Wille letztlich doch nach draußen, auch wenn es damals viele Diskussionen über meine Gründe gab. Doch ich erlebte eine Überraschung mit der ich nicht gerechnet hätte: Ich verliebte mich Hals über Kopf in meine neue Wahlheimat und hänge bis heute, auch wenn ich dort nicht mehr lebe, sehr an diesem Ort. Aus mir wurde ein kleiner Mosellaner.

Wer einmal außerhalb Berlins diese wunderschöne so andersartige Natur gesehen und die Weinberge bestiegen hat, kann diese Liebe zum Land vielleicht nachvollziehen. Der Blick dort oben ist weit und wundervoll. Wir selbst haben jahrelang am Fuße eines Weinberges in Ruwer gewohnt und sind so oft wie möglich dort hochgegangen und haben den einmaligen Blick auf die Stadt genossen.

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Es mag sein, dass hier das Herz und die Emotionen, die damit einhergingen in dieser Stadt einen sehr großen Einfluß darauf hatten, wie ich alles wahrgenommen habe. Aber ich habe den Ort geliebt.

Doch das kleine Berliner Herz hat doch an manchen Stellen das ein oder andere Mal gemurrt und Vergleiche angestellt, die der kleinen Universitätsstadt nicht standhalten konnten.

Zum Einen hat Trier ein großes Manko: Sein nahezu Unerreichbarkeit. In den 7 Jahren, die ich dort gelebt habe, hat es die Stadt dank etlicher Einsparungsmaßnahmen der Bahn geschafft zu Deutschlands schwerst zu erreichender Stadt zu werden. Ich übertreibe leider nicht, wurden doch in den letzten Jahren nahezu allle schnelleren Verbindungen aus der Stadt gekappt, so dass man in größere Orte wie Saarbrücken, Luxemburg, Koblenz oder Köln fast nur noch mit der Regionalbahn fahren kann. Auch die Anbindung an das Fernbusnetz erfolgte spät, so dass es für Berliner Verhältnisse mit den Anbindungen doch recht schwer fällt und das kleine verwöhnte Berliner Herz sich erst lange an die sehr zögerlichen Verbindungen in Trier gewöhnen musste.

Zum anderen kann das doch recht kleine Trier, was seine Kulturszene angeht, nicht mit der Großstadt mithalten. Auch hier kam es in den letzten Jahren zu großen Einschnitten aufgrund von Sparmaßnahmen der Stadt, die Trier nicht gerade zu einer Kulturmetropole machen. Die Theaterszene ist klein und bescheiden und kann gegen den Giganten Berlin mit zahlreichen Bühnen und drei Opernhäußern bei weitem nicht anstinken. Hier zeigt sich wohl am meisten der kleine verwöhnte Berliner, wenn er in einer so kleinen Großstadt wie Trier den Vergleich mit der Hauptstadt sucht, welchen Trier gar nicht bieten kann. Insofern wohl ein sehr unfairer Versuch, fast als würde man Berlin mit New York vergleichen. Jede Stadt hat ihren eigenen Charme.

Trier lebt vor allem durch seinen Status als Universitäts- und Touristenstadt. Man spürt an jeder Ecke den studentischen Charme, sei es durch die vielen Cafés und Kneipen oder durch die extra eingeführten Hochschul-Buslinien, die in den Semesterferien doch sehr fehlen. Hier ist es klein beschaulich und intim, trifft man doch auf dem Weg immer wieder Bekannte, ist sogar mit dem Bürgermeister zeitweise per Du. Vielleicht ist es in dieser Hinsicht aber genauso unfair, Berlin, eine doch sehr große und unüberschaubare Metropole, mit dem kuscheligen Trier zu vergleichen.

Doch einen Vergleich braucht Trier bei weitem nicht zu scheuen, den historischen. Auch wenn es scheint, das Berlin im Laufe der Geschichte immer wieder zum Zentrum einschneidener Ereignisse wurde, hat Trier als älteste Stadt Deutschlands seinen eigenen historischen Kern zu bieten. Ob mit dem Wahrzeichen der Stadt, der Porta Nigra, dem Dom (eines der für mich schönsten Gebäude der Stadt), dem historischen Stadtkern oder als Geburtsstadt Karl Marxs. Die Stadt und Umgebung bietet eine einzigartige Kulturlandschaft voller Geschichte, die sich hinter der Hauptstadt nicht zu verstecken braucht. Ich bin stolz darauf in dieser Stadt studiert zu haben und dem Zauber der Gegend erlegen zu sein und kehre auch heute noch immer wieder gerne als Mosellaner dahin zurück.

Welches ist eure erste Stadtliebe und eure Geschichte damit?

Bis bald,

Eure Henny

 

And the winner is…

Hamburg!

WHAT? Das dachten sich vermutlich etliche BerlinerInnen am Montag, als verkündet wurde, wer für Deutschland ins Rennen um die Olympia-Bewerbung 2024/2028 geht. Tatsächlich kam man dank geschickter Kampagne in der Stadt kaum mehr an dem Thema vorbei und trieb damit Exilanten fast zur Weißglut.

Warum bewirbt sich eine Stadt, die tagtäglich mit Milliarden Schulden und unfertigen Projekten zu kämpfen hat, um ein weiteres Projekt, was wieder ein riesiges Finanzloch in die Kassen schlägt? Es geht allein ums Image. Es ist nicht so, dass Berlin wirklich die Mittel hätte ein solches Projekt zu stemmen, wo doch schon wieder in den letzten Tagen die Hiobsbotschaft weiterer Schulden durch das Ich-kanns-nicht-mehr-hören-Projekt „Großflughafen Berlin-Brandenburg“ verkündet wurde. Die Stadt versinkt in Schulden, aber was will sie? Immer mehr, immer besser, immer weiter. Hauptsache Berlin boomt.

Daher war es nahezu bemerkenswert, dass die Berliner diesem Projekt erstmals in der Umfrage eine doch klare Absage erteilten und damit Hamburg den Vorzug gaben, die es „wohl ein bisschen mehr wollten“. Aber nun sich nach einer klaren Absage über diese zu beschweren, scheint mir auch nicht richtig. Da werden nun Vorwürfe laut, man hätte doch so gut präsentiert und doch nur eine Umfrage gemacht, die gar nicht das Stimmungsbild der Stadt wiedergab. Vielleicht war dies aber mal so. Vielleicht waren die BerlinerInnen einfach mal genervt von dem ewigen Bewerben und Krakelen um neue Projekte, Maßnahmen und Events in der Stadt.

Manchmal kommt es mir vor, als wäre die Stadt eine kleine verwöhnte Göre mit Zahnlücke, die in den vergangenen Jahren immer alles bekam und nur noch mehr wollte. Und obwohl alle Familienmitglieder schon genervt mit den Augen rollen, setzte es sich weiterhin immer trotzig durch und verlangte mehr, bis man ihm nun ein „Nein“ entgegenhält. Und was macht die Kleine? Sie heult und schmollt und stampft mit dem Fuß. Nützt aber nichts!

So wird sich Berlin wohl oder übel damit abgeben müssen, Hamburg bei der Bewerbung zuzuschauen und die Daumen zu drücken und sich einmal wieder seinen alten Bausteinen zuzuwenden, damit diese wenigstens einmal dann fertig werden. Wäre doch zur Abwechslung auch mal ganz schön, wenn man mal sagen könnte, wann das Projekt „Großflughafen“ wirklich fertig wird. Wenn Berlin aber weiterhin danach schreit, mehr zu wollen, können wir wahrscheinlich noch bis zum Sankt-Nimmerleinstag warten, bis dieses Projekt einmal fertig wird. Hauptsache, wir haben die größte Spielzeugkiste.

So, liebe BerlinerInnen, lehnt euch zurück und entspannt euch mal vom dauerhaft abgespannten Dasein und genießt, wie sich Hamburg mit der Bewerbung rumschlägt! 🙂