Stadtliebe Trier

Hallo meine lieben Exilanten!

Wie lebt es sich eigentlich im Exil? Gut soweit, die Städte im Westen Deutschlands sind wunderschön und halten viele Überraschungen bereit. Heute möchte ich gerne ein wenig mehr über meine erste große Stadtliebe im Exil berichten, Trier.

Ich habe ja bereits beschrieben, dass ich aus vor allem aus Liebesgründen damals in die älteste Stadt Deutschlands zog, um mein Studium zu beginnen. Und dies offen gesagt mit einem ziemlich großen Hasenherzen. Wie jede kleine Berliner Wurzel fiel es auch mir schwer, sich ein Leben außerhalb der Grenzen Berlins vorstellen zu können, doch trieb mich mein Wille letztlich doch nach draußen, auch wenn es damals viele Diskussionen über meine Gründe gab. Doch ich erlebte eine Überraschung mit der ich nicht gerechnet hätte: Ich verliebte mich Hals über Kopf in meine neue Wahlheimat und hänge bis heute, auch wenn ich dort nicht mehr lebe, sehr an diesem Ort. Aus mir wurde ein kleiner Mosellaner.

Wer einmal außerhalb Berlins diese wunderschöne so andersartige Natur gesehen und die Weinberge bestiegen hat, kann diese Liebe zum Land vielleicht nachvollziehen. Der Blick dort oben ist weit und wundervoll. Wir selbst haben jahrelang am Fuße eines Weinberges in Ruwer gewohnt und sind so oft wie möglich dort hochgegangen und haben den einmaligen Blick auf die Stadt genossen.

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Es mag sein, dass hier das Herz und die Emotionen, die damit einhergingen in dieser Stadt einen sehr großen Einfluß darauf hatten, wie ich alles wahrgenommen habe. Aber ich habe den Ort geliebt.

Doch das kleine Berliner Herz hat doch an manchen Stellen das ein oder andere Mal gemurrt und Vergleiche angestellt, die der kleinen Universitätsstadt nicht standhalten konnten.

Zum Einen hat Trier ein großes Manko: Sein nahezu Unerreichbarkeit. In den 7 Jahren, die ich dort gelebt habe, hat es die Stadt dank etlicher Einsparungsmaßnahmen der Bahn geschafft zu Deutschlands schwerst zu erreichender Stadt zu werden. Ich übertreibe leider nicht, wurden doch in den letzten Jahren nahezu allle schnelleren Verbindungen aus der Stadt gekappt, so dass man in größere Orte wie Saarbrücken, Luxemburg, Koblenz oder Köln fast nur noch mit der Regionalbahn fahren kann. Auch die Anbindung an das Fernbusnetz erfolgte spät, so dass es für Berliner Verhältnisse mit den Anbindungen doch recht schwer fällt und das kleine verwöhnte Berliner Herz sich erst lange an die sehr zögerlichen Verbindungen in Trier gewöhnen musste.

Zum anderen kann das doch recht kleine Trier, was seine Kulturszene angeht, nicht mit der Großstadt mithalten. Auch hier kam es in den letzten Jahren zu großen Einschnitten aufgrund von Sparmaßnahmen der Stadt, die Trier nicht gerade zu einer Kulturmetropole machen. Die Theaterszene ist klein und bescheiden und kann gegen den Giganten Berlin mit zahlreichen Bühnen und drei Opernhäußern bei weitem nicht anstinken. Hier zeigt sich wohl am meisten der kleine verwöhnte Berliner, wenn er in einer so kleinen Großstadt wie Trier den Vergleich mit der Hauptstadt sucht, welchen Trier gar nicht bieten kann. Insofern wohl ein sehr unfairer Versuch, fast als würde man Berlin mit New York vergleichen. Jede Stadt hat ihren eigenen Charme.

Trier lebt vor allem durch seinen Status als Universitäts- und Touristenstadt. Man spürt an jeder Ecke den studentischen Charme, sei es durch die vielen Cafés und Kneipen oder durch die extra eingeführten Hochschul-Buslinien, die in den Semesterferien doch sehr fehlen. Hier ist es klein beschaulich und intim, trifft man doch auf dem Weg immer wieder Bekannte, ist sogar mit dem Bürgermeister zeitweise per Du. Vielleicht ist es in dieser Hinsicht aber genauso unfair, Berlin, eine doch sehr große und unüberschaubare Metropole, mit dem kuscheligen Trier zu vergleichen.

Doch einen Vergleich braucht Trier bei weitem nicht zu scheuen, den historischen. Auch wenn es scheint, das Berlin im Laufe der Geschichte immer wieder zum Zentrum einschneidener Ereignisse wurde, hat Trier als älteste Stadt Deutschlands seinen eigenen historischen Kern zu bieten. Ob mit dem Wahrzeichen der Stadt, der Porta Nigra, dem Dom (eines der für mich schönsten Gebäude der Stadt), dem historischen Stadtkern oder als Geburtsstadt Karl Marxs. Die Stadt und Umgebung bietet eine einzigartige Kulturlandschaft voller Geschichte, die sich hinter der Hauptstadt nicht zu verstecken braucht. Ich bin stolz darauf in dieser Stadt studiert zu haben und dem Zauber der Gegend erlegen zu sein und kehre auch heute noch immer wieder gerne als Mosellaner dahin zurück.

Welches ist eure erste Stadtliebe und eure Geschichte damit?

Bis bald,

Eure Henny

 

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