Wenn die Sehnsucht überwiegt…

Hallo meine lieben ExilberlinerInnen,

wie ich euch schon schrieb, hatte mich in den letzten Tagen die Sehnsucht nach alten Unitagen eingeholt und ich habe mich auf den Weg ins schöne Trier gemacht. Doch war ich überaus erstaunt, wie viel die Erinnerungen einem das Bild der Stadt vielleicht anders wiedergeben, als sie tatsächlich vor einem liegt. Ich finde die Stadt nach wie vor wundervoll und bereise sie gerne weiter als Besucherin, doch beschlich mich doch ein Gefühl, nicht mehr ganz dorthin zu gehören. Es ist merkwürdig. Man fühlt sich noch nicht völlig angekommen in der neuen Stadt und trauert der alten hinterher, doch besucht man diese wieder, scheint sie auch nicht ganz das zu sein, was einem die Erinnerungen vorgeben. Aber zunächst hier einige Impressionen, damit ihr versteht, was ich meine:

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Und wo man hinsieht, scheint einem immer die Sehnsucht der anderen nach der großen Hauptstadt entgegenzuspringen, die scheinbar immer noch als eine Gütesiegel für Kreativität und Qualität steht (irgendwie amüsant, wenn man mal nur die ganzen gescheiterten Projekte Berlins betrachtet. Die Wuscheligkeit, die oben auf den zu finden ist, gehört übrigens zu einem handgemachten Kiwi mit Namen Sir Walter, den ich hier in meinen Reiseerlebnissen öfter abzubilden gedenke. Auch ihm hat Trier wohl durchaus gut gefallen. Insgesamt habe ich mich immer noch sehr wohl gefühlt, was auch an den Menschen lag, die ich in diesen Tagen um mich hatte. Es wird wohl auch bis auf weiteres immer wieder Sehnsuchtsanfälle nach Trier geben, denen ich das ein oder andere Mal nachkommen werde.

Bis bald,

Eure Henny

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Bücherschränke

Hallo meine lieben ExilberlinerInnen,

ich weiß dass es lange her ist, dass ich hier etwas geschrieben habe, doch das Interesse ist nicht verloren gegangen. Heute möchte ich euch etwas vorstellen, was ihr kaum in der ach so gehypten Hauptstadt finden werdet: Bücherschränke. Ich selbst habe das System erst richtig in Bonn kennen und schätzen gelernt. In fast jedem Stadtteil stehen hier Bücherschränke und alle sind sie auf unterschiedlichste Weise bestückt. Und obwohl ich mehr als 20 Jahre in Berlin gelebt habe, habe ich so etwas auch nur vergleichbares nie dort gesehen. Ich bin begeistert von diesem System und kann es euch nur ans Herz legen, wenn ihr einmal nach Bonn kommen solltet. Ich habe mittlerweile vier davon kennengelernt und besuche sie regelmäßig.

Doch was ist überhaupt so ein Bücherschrank? Das Sytem lässt sich einfach erklären. Es handelt sich um einen öffentlichen Schrank, der mit Glastüren verschlossen ist und in den alle Personen ihre alten oder nicht mehr gewünschten (aber bitte eigene) Bücher hinbringen können und dort andere interessante Bücher entnehmen können. Hat man sie „ausgelesen“, bringt man die Bücher zurück, oder bringt, be besonderem Gefallen, andere Bücher wieder in den Schrank. Auf diese Weise füllen sich die Bücherschränke Woche für Woche mit neuen durchaus spannenden Büchern und sind allen Menschen zugänglich.

Ich bin fasziniert von der Vielzahl an Menschen, die hier in Bonn auf das Angebot zurückgreifen und die Schränke immer wieder in ihrer Vielfalt verändern. Für weitere und genaue Infos schaut einmal auf dieser Seite vorbei. Und für alle, die eventuell Vandalismus oder sonstiges mit den Schränken vermuten könnten, den sei gesagt, dass ich die Schränke bislang in einem stets ordentlichen Zustand vorgefunden habe, egal in welchem Viertel ich sie antraf.

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Ein solches Projekt hat für mich Bilderbuchcharakter und sollte anderen Städten als Vorbild dienen, nicht zuletzt der Hauptstadt, die einem alles und zu jeder Zeit zugänglich machen möchte. Einige Nachbarstädte wie Trier haben sich dem Projekt angeschlossen und an öffentlichen Stellen ebenfalls Bücherschränke eingerichtet, die allerdings nur zu Öffnungszeiten der Stellen den Menschen zur Verfügung stehen und damit weniger Möglichkeit zu einem freien Zugang ermöglichen.

Ich wünsche mir mehr solcher Projekte, die die Menschen gleichstellen und allen einen Zugang zur Literatur ermöglichen, egal wie groß und klein, arm oder reich sie sind.

Bis bald,

Eure Henny

Stadtliebe Trier

Hallo meine lieben Exilanten!

Wie lebt es sich eigentlich im Exil? Gut soweit, die Städte im Westen Deutschlands sind wunderschön und halten viele Überraschungen bereit. Heute möchte ich gerne ein wenig mehr über meine erste große Stadtliebe im Exil berichten, Trier.

Ich habe ja bereits beschrieben, dass ich aus vor allem aus Liebesgründen damals in die älteste Stadt Deutschlands zog, um mein Studium zu beginnen. Und dies offen gesagt mit einem ziemlich großen Hasenherzen. Wie jede kleine Berliner Wurzel fiel es auch mir schwer, sich ein Leben außerhalb der Grenzen Berlins vorstellen zu können, doch trieb mich mein Wille letztlich doch nach draußen, auch wenn es damals viele Diskussionen über meine Gründe gab. Doch ich erlebte eine Überraschung mit der ich nicht gerechnet hätte: Ich verliebte mich Hals über Kopf in meine neue Wahlheimat und hänge bis heute, auch wenn ich dort nicht mehr lebe, sehr an diesem Ort. Aus mir wurde ein kleiner Mosellaner.

Wer einmal außerhalb Berlins diese wunderschöne so andersartige Natur gesehen und die Weinberge bestiegen hat, kann diese Liebe zum Land vielleicht nachvollziehen. Der Blick dort oben ist weit und wundervoll. Wir selbst haben jahrelang am Fuße eines Weinberges in Ruwer gewohnt und sind so oft wie möglich dort hochgegangen und haben den einmaligen Blick auf die Stadt genossen.

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Es mag sein, dass hier das Herz und die Emotionen, die damit einhergingen in dieser Stadt einen sehr großen Einfluß darauf hatten, wie ich alles wahrgenommen habe. Aber ich habe den Ort geliebt.

Doch das kleine Berliner Herz hat doch an manchen Stellen das ein oder andere Mal gemurrt und Vergleiche angestellt, die der kleinen Universitätsstadt nicht standhalten konnten.

Zum Einen hat Trier ein großes Manko: Sein nahezu Unerreichbarkeit. In den 7 Jahren, die ich dort gelebt habe, hat es die Stadt dank etlicher Einsparungsmaßnahmen der Bahn geschafft zu Deutschlands schwerst zu erreichender Stadt zu werden. Ich übertreibe leider nicht, wurden doch in den letzten Jahren nahezu allle schnelleren Verbindungen aus der Stadt gekappt, so dass man in größere Orte wie Saarbrücken, Luxemburg, Koblenz oder Köln fast nur noch mit der Regionalbahn fahren kann. Auch die Anbindung an das Fernbusnetz erfolgte spät, so dass es für Berliner Verhältnisse mit den Anbindungen doch recht schwer fällt und das kleine verwöhnte Berliner Herz sich erst lange an die sehr zögerlichen Verbindungen in Trier gewöhnen musste.

Zum anderen kann das doch recht kleine Trier, was seine Kulturszene angeht, nicht mit der Großstadt mithalten. Auch hier kam es in den letzten Jahren zu großen Einschnitten aufgrund von Sparmaßnahmen der Stadt, die Trier nicht gerade zu einer Kulturmetropole machen. Die Theaterszene ist klein und bescheiden und kann gegen den Giganten Berlin mit zahlreichen Bühnen und drei Opernhäußern bei weitem nicht anstinken. Hier zeigt sich wohl am meisten der kleine verwöhnte Berliner, wenn er in einer so kleinen Großstadt wie Trier den Vergleich mit der Hauptstadt sucht, welchen Trier gar nicht bieten kann. Insofern wohl ein sehr unfairer Versuch, fast als würde man Berlin mit New York vergleichen. Jede Stadt hat ihren eigenen Charme.

Trier lebt vor allem durch seinen Status als Universitäts- und Touristenstadt. Man spürt an jeder Ecke den studentischen Charme, sei es durch die vielen Cafés und Kneipen oder durch die extra eingeführten Hochschul-Buslinien, die in den Semesterferien doch sehr fehlen. Hier ist es klein beschaulich und intim, trifft man doch auf dem Weg immer wieder Bekannte, ist sogar mit dem Bürgermeister zeitweise per Du. Vielleicht ist es in dieser Hinsicht aber genauso unfair, Berlin, eine doch sehr große und unüberschaubare Metropole, mit dem kuscheligen Trier zu vergleichen.

Doch einen Vergleich braucht Trier bei weitem nicht zu scheuen, den historischen. Auch wenn es scheint, das Berlin im Laufe der Geschichte immer wieder zum Zentrum einschneidener Ereignisse wurde, hat Trier als älteste Stadt Deutschlands seinen eigenen historischen Kern zu bieten. Ob mit dem Wahrzeichen der Stadt, der Porta Nigra, dem Dom (eines der für mich schönsten Gebäude der Stadt), dem historischen Stadtkern oder als Geburtsstadt Karl Marxs. Die Stadt und Umgebung bietet eine einzigartige Kulturlandschaft voller Geschichte, die sich hinter der Hauptstadt nicht zu verstecken braucht. Ich bin stolz darauf in dieser Stadt studiert zu haben und dem Zauber der Gegend erlegen zu sein und kehre auch heute noch immer wieder gerne als Mosellaner dahin zurück.

Welches ist eure erste Stadtliebe und eure Geschichte damit?

Bis bald,

Eure Henny